Klimawandel verstehen und die richtigen Konsequenzen daraus ziehen, darum ging es in dem Vortrag von Dr. Jan-Christoph Otto, Uni Salzburg, im Pfau, Trostberg

Klimawandel verstehen und die richtigen Konsequenzen daraus ziehen, darum ging es in dem Vortrag von Dr. Jan-Christoph Otto, Uni Salzburg, im Pfau, Trostberg

ÖDP und LBV versuchen den Klimawandel zu verstehen und Konsequenzen daraus zu ziehen (11.02.2020)

 

Zu einer gemeinsamen Veranstaltung von ÖDP (Ökologische Demokratische Partei) und dem LBV (Landesbund für Vogelschutz) luden Landratskandidatin Dr. Ute Künkele und der LBV-Vorsitzende aus dem Landkreis Traunstein, Frank Weiß, zum Pfaubräu nach Trostberg ein. Als Referenten begrüßten sie Dr. Jan-Christoph Otto von der Universität Salzburg, der im Fachbereich Geographie und Geologie im Hochgebirge unter anderem aufgrund der Gletscherschmelze den Klimawandel erforscht.

Otto nannte den etwa vierzig gekommenen Gästen einige ernüchternde Zahlen. In der Schweiz gibt es seit 1850 einen kontinuierlichen Gletscherrückgang, bei dem mittlerweile mehr als Zweidrittel der Fläche abgeschmolzen sind, besonders stark seit 2000. 2018 war seit Beginn der Messungen 1881 das wärmste Jahr in Deutschland. Zehn von zwölf der wärmsten Jahre ereigneten sich seit 1881 zwischen 2000 und 2019, und die Zahl der heißen Tage hat seit 1950 von drei auf zehn pro Jahr zugenommen. Signifikant ist die Entwicklung des CO2-Gehalts in den vergangenen 800.000 Jahren aufgrund von Messungen in antarktischen Eisbohrkernen. Während die Werte den langen Zeitraum hindurch gleichmäßig zwischen 175 und 300 parts per million (ppm) gependelt sind, erfolgt seit 2009 ein beständiger Anstieg auf 412 ppm im Jahr 2019. Naturgegebene Faktoren der Oberflächentemperatur wie Vulkanismus, Sonnenaktivität und natürliche Variabilität weisen seit 1880 beständige Schwankungen von maximal 0,4 °C auf, menschliche Einflüsse haben dagegen im gleichen Zeitraum zu einer Erhöhung um 0,9 °C beigetragen, davon im Zeitraum 1980 bis 2018 um etwa 0,5 °C.

Auf die Frage von Schorsch Baumgartner, inwieweit Vulkanausbrüche zum Abkühlen des Klimas beitragen, gab Otto zur Antwort, dass Klimaschwankungen immer von vielerlei Faktoren abhängen, und dass globale von regionalen Temperaturschwankungen zu unterscheiden seien. Seit der letzten großen Eiszeit vor 10.000 Jahren gab es in Europa immer wieder Zeiten des Temperaturanstiegs, um jeweils durchschnittlich 1°C. Solche Wärmeperioden waren das Holozäne Optimum vor etwa 6.000 Jahren, das römische Optimum vor 2.000 Jahren und auch das mittelalterliche Optimum zählen dazu. Letzterem folgte die kleine Eiszeit, die vor der industriellen Revolution lag. Seither gibt es einen stetigen Temperaturanstieg, in den letzten 20 Jahren, also in einem vergleichsweise sehr kurzem Zeitabstand, aber mit einer derart steilen Temperaturkurve nach oben, wie es die Forschungsergebnisse in Langzeitstudien nicht kennen. Zwischendurch gab es auch immer wieder kältere Jahrhunderte mit einem durchschnittlichen Temperaturabfall von weniger als einem Grad, beispielsweise vor etwa 5.000 Jahren, einer Zeit, aus der auch der Mumienfund des „Ötzi“ aus den Ötztaler Alpen stammt. „Letztlich gibt es 40 bis 60 wissenschaftliche Modelle zur Erderwärmung, aber alle zeigen in dieselbe Richtung und kommen zu analogen Ergebnissen.“ Offen sei lediglich, wie sich die Temperaturkurve im 21. Jahrhundert weiter entwickeln werde, weil beispielsweise unklar sei, welche konkrete Auswirkung die Süßwasserschmelze in Grönland auf den Golfstrom haben werde.

Peter Kirchgeorg vertrat die Ansicht, dass eine Regierung, die meint, dass sie mit Anreizen für den Stopp des Klimawandel sorgen kann, lächerlich ist. „Das einzige, was wirklich etwas bringt, sind Verbote“. Ein Beispiel sei das Verbot von FCKW-Treibhausgasen vor 30 Jahren. „Mittlerweile nimmt das Ozonloch auf der Südhalbkugel wieder ab, die positive Wirkung bleibt aber insgesamt aufgrund des nicht abnehmenden CO2-Ausstoßes sehr beschränkt.“

Auf die Frage nach dem Auftauen von Permafrostböden und deren Konsequenzen gab Otto zu bedenken, dass durch die steigenden Temperaturen riesige Flächen auftauen, die zum Teil seit 100.000 Jahren CO2 speichern. Durch die aktuelle Erwärmung werden bei gefrorenen Flächen Kipppunkte erreicht, wie es sie in der Klimageschichte bisher nur in ganz wenigen Fällen gab. Dies führt in betroffenen Gebieten zur unaufhaltsamen Zersetzung von Moorböden und damit zur Freisetzung von Methangasen, welche die Atmosphäre zusätzlich belasten. Moor-Expertin Künkele, die ihre Dissertation über das Schönramer Filz schrieb, warnte davor, Torf als Humusersatz zu verwenden, weil sich die Nährstoffe darin innerhalb eines halben Jahres auflösen und CO2 frei setzen. Stattdessen sollte zum Bepflanzen Blumenerde verwendet werden. In der Nicht-Bio-Landwirtschaft werde auch der Speichergehalt von CO2 im Boden zerstört. Biobäuerin Helga Reininger aus Schnaitsee schlug in dieselbe Kerbe. Für sie gehört der Zwischenfruchtanbau zu den Humus erhaltenden Pflichten in der Landwirtschaft, zudem unterstütze sie die Bodenqualität auf ihren Feldern durch den Anbau von Hafer, Ackerbohnen, Triticale und Kleegras. Ihr Lehrmeister sei Professor Ralf Otterpohl von der TU Hamburg, der sie auf die Idee des klimafreundlichen Ackerbaus gebracht habe.

Bruno Siglreitmaier äußerte sich kritisch gegenüber relativierenden Äußerungen der AfD zum Klimawandel und verwies auf die Internetseite „Klimafakten.de“, welche auf die einzelnen politischen Parteiprogramme hinsichtlich Klimawandels Bezug nimmt.

Franz Bertl aus Garching wollte wissen, welche konkreten Lösungen Otto gegen den Klimawandel vorschlage. Otto rät: „Ökostrom kaufen, Strom sparen, Kaufverhalten ändern, Müllvermeidung, Geräte leihen und verleihen, Reparieren statt Wegwerfen, langlebige Produkte herstellen, das Rad und den ÖPNV nutzen, Bäume pflanzen.“

Als Fazit gab Otto den Besuchern zu bedenken, dass der Klimawandel von Menschen verursacht und andauernde Realität ist, seine Veränderungen die gesamte Erde betreffen und deren Auswirkungen lokal unterschiedlich spürbar seien. „Wir alle müssen uns ändern, jede weitere Wartezeit erfordert stärkere Maßnahmen und jede Reduktion der Treibhausgase macht Sinn“. Als Lektüre empfiehlt Otto das Buch „Kleine Gase – große Wirkung: Der Klimawandel“.

Georg Huber forderte dazu auf, gerade den jungen ÖDP-Kandidaten auf der Kreistagsliste den Rücken zu stärken, weil sie die Zukunft im Umdenken einer ökologisch verträglichen und nachhaltigen Welt sind.

Ute Künkele bedankte sich beim Referenten mit einem selbst gemachten Brombeerlikör für seine klare Darstellung des herausfordernden Themas und dankte den Gästen für ihr gezeigtes Interesse.

 

Arno Zandl, Waldweg 3c, 83339 Chieming, Tel. 08667-809420 (Freier Mitarbeiter TT, PNP, OVB).


Die ÖDP Oberbayern verwendet Cookies, um diese Website Ihren Bedürfnissen anzupassen. Zu den Cookie-Nutzungsbestimmungen